BRANDSCHUTZ
Vorweg, damit kein Missverständnis entsteht: Beim „Löschen von Handys“ geht es in diesem Beitrag um Brände – nicht um das Löschen von Daten. Wenn ein Handy-Akku brennt, zischt oder sich aufbläht, zählen die ersten Sekunden. Als Brandschutzbeauftragter und Fachkraft für Arbeitssicherheit erkläre ich Ihnen, wie Sie richtig reagieren, warum Wasser das richtige Löschmittel ist und wie Sie einen Akkubrand von vornherein vermeiden – zu Hause und im Betrieb.
Das Wichtigste in Kürze – Sofortmaßnahmen, wenn ein Handy-Akku brennt
Halten Sie Abstand und fassen Sie das Gerät nicht mit bloßen Händen an. Löschen Sie ein brennendes Handy mit reichlich Wasser oder legen Sie es, wenn das gefahrlos möglich ist, in einen Eimer Wasser oder bringen Sie es ins Freie. Atmen Sie den Rauch nicht ein: Raum verlassen, Tür schließen, andere warnen. Rufen Sie die Feuerwehr über die 112, wenn der Brand nicht sofort unter Kontrolle ist oder es stark raucht. Lassen Sie den Akku danach im Wasserbad und entsorgen Sie ihn als beschädigte Batterie – nie im Hausmüll.
Warum kann ein Handy-Akku überhaupt brennen?
In fast jedem Smartphone steckt ein Lithium-Ionen-Akku. Er speichert viel Energie auf kleinem Raum, und sein Elektrolyt ist leicht entzündbar. Wird eine Zelle beschädigt, überhitzt oder falsch geladen, kann es zu einem inneren Kurzschluss kommen. Die Zelle heizt sich dann selbst weiter auf – Fachleute sprechen vom thermischen Durchgehen („Thermal Runaway“). Dabei entstehen brennbare und giftige Gase, Stichflammen und Temperaturen von mehreren hundert Grad.
Die häufigsten Auslöser sind laut DGUV Information 205-041 und Berliner Feuerwehr Produktionsfehler, mechanische Beschädigungen (Sturz, Verbiegen, Durchstechen), Hitze, Überladung und Tiefentladung, Alterung sowie ungeeignete Ladegeräte. Die gute Nachricht: Die allermeisten Akkus arbeiten ein Leben lang störungsfrei – und die meisten Brände kündigen sich an.
Woran erkennen Sie, dass ein Handy-Akku gefährlich wird?
Ein Akku, der kurz vor dem Durchgehen steht, zeigt fast immer Warnzeichen. Die DGUV nennt Verformungen und Wölbungen des Gehäuses, Verfärbungen, ungewöhnlichen Geruch, austretende Flüssigkeit und eine auffällige Erwärmung. Beim Handy heißt das konkret:
- Das Display oder die Rückseite wölbt sich, das Gehäuse geht auseinander.
- Das Gerät wird beim Laden oder in der Tasche ungewöhnlich heiß.
- Es zischt, knistert oder riecht süßlich-chemisch.
- Es entweicht Rauch oder Dampf.
Jedes dieser Zeichen bedeutet: Das Gerät ist nicht mehr sicher. Nicht mehr laden, nicht mehr benutzen – und vor allem nicht in die Hosentasche stecken.
Handy wird heiß oder bläht sich auf – was tun, bevor es brennt?
Handeln Sie sofort, aber ohne Hektik: Ziehen Sie das Ladekabel, und zwar am Stecker in der Steckdose, nicht am Gerät. Fassen Sie das Handy nicht mit bloßen Händen an, sondern mit einer Zange, einem dicken Handschuh oder einem Tuch. Legen Sie es auf einen nicht brennbaren Untergrund mit Abstand zu allem, was brennen kann – Fliesen, Betonboden, ein Blech – oder direkt in einen Eimer mit Wasser. Noch besser: ins Freie, weg von Personen und Gebäuden. Beobachten Sie das Gerät aus sicherer Entfernung. Ein aufgeblähter Akku kann noch Stunden später durchgehen. Auch wenn nichts passiert: Das Gerät gehört danach nicht mehr in Betrieb, sondern zum Händler oder zur Sammelstelle.
Handy-Akku brennt: So löschen Sie richtig – Schritt für Schritt
- Abstand halten, nicht anfassen. Beugen Sie sich nicht über das Gerät. Beim Durchgehen können Stichflammen und glühende Teile herausschießen.
- Löschen mit viel Wasser. Kleine Entstehungsbrände, etwa bei Smartphones oder Notebooks, können mit reichlich Wasser gelöscht werden – so formuliert es die Berliner Feuerwehr. Nutzen Sie einen Eimer, eine Gießkanne, einen Wasserlöscher oder den Wasserhahn. Gießen Sie aus der Entfernung, nicht aus nächster Nähe. Das Wasser löscht nicht nur die Flammen, es kühlt vor allem den Akku und stoppt die Kettenreaktion.
- Wenn möglich: Gerät ins Wasserbad oder ins Freie. Ein Handy passt in jeden Eimer. Mit Zange oder Handschuh hineinlegen und dort lassen. Wenn das nicht gefahrlos geht: stehen lassen und die nächsten Schritte einleiten.
- Rauch meiden, Raum verlassen, Tür schließen. Der Rauch eines Akkubrandes enthält unter anderem Kohlenmonoxid und Fluorwasserstoff – er ist giftig und ätzend. Warnen Sie andere Personen im Haus.
- 112 anrufen, wenn der Brand nicht sofort aus ist, wenn es stark raucht oder wenn Sie unsicher sind. Sagen Sie am Telefon, dass ein Lithium-Ionen-Akku brennt.
Diese fünf Schritte gelten für Handys, Tablets, Powerbanks, E-Zigaretten und Akkuschrauber. Bei großen Akkus – E-Bike, E-Scooter, E-Auto, Heimspeicher – gilt nur ein Teil davon: Abstand, raus, Tür zu, 112. Solche Brände sind nichts für Laien.
Darf man einen Lithium-Ionen-Akku mit Wasser löschen?
Ja – Wasser ist das Löschmittel der Wahl. Das sagen die DGUV Information 205-041, das Merkblatt VdS 3103 der Versicherer und die Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes übereinstimmend. Der Grund: Ein Akkubrand lässt sich kaum ersticken, weil die Zelle den Sauerstoff für die Reaktion selbst liefert. Was hilft, ist Kühlung – und nichts kühlt so gut und ist so verfügbar wie Wasser. Es verhindert, dass die Hitze auf die Nachbarzellen und die Umgebung übergreift.
Die verbreitete Warnung, Lithium reagiere mit Wasser und erzeuge explosiven Wasserstoff, gilt für metallisches Lithium, wie es in nicht wiederaufladbaren Lithium-Batterien steckt. Im Lithium-Ionen-Akku eines Handys ist das Lithium in Elektrodenmaterial gebunden. Zwar können auch hier beim Kontakt der geladenen Zelle mit Wasser geringe Mengen Wasserstoff entstehen – die brennbaren Gase, die beim Durchgehen ohnehin freigesetzt werden, überwiegen jedoch bei Weitem. Deshalb bleibt es bei der Regel: viel Wasser, aus sicherem Abstand.
Hilft ein Feuerlöscher oder eine Löschdecke beim Akkubrand?
Nur bedingt. Pulver, CO₂ und Sand erzielen laut Deutschem Feuerwehrverband keinen ausreichenden Kühleffekt – die Flammen gehen vielleicht kurz aus, der Akku heizt sich aber weiter auf und entzündet sich erneut. Eine Löschdecke erstickt den Brand aus demselben Grund nicht; sie kann allenfalls Funkenflug und ein Übergreifen der Flammen bremsen. Sinnvoll sind Wasser- und Schaumlöscher, weil sie kühlen.
Speziell beworbene „Lithium-Ionen-Feuerlöscher“ bewertet die DGUV zurückhaltend: Einen anerkannten Prüfgrundsatz für ihre Löschwirksamkeit gibt es bisher nicht, und eine Eigengefährdung beim Einsatz ist nicht auszuschließen. Wichtig ist außerdem: Die DGUV stuft Löschversuche durch Beschäftigte – auch durch Brandschutzhelfer – wegen der Gase und Stichflammen als kritisch ein. Für Sie heißt das: Ein Handy im Eimer Wasser zu versenken oder es aus der Entfernung zu übergießen ist vertretbar. Ein Feuerlöscher-Einsatz aus nächster Nähe an einem größeren Akku ist es nicht.
Wohin mit dem Handy nach dem Brand?
Ein gelöschter Akku ist kein sicherer Akku. Restzellen können sich Stunden später erneut entzünden. Lassen Sie das Gerät deshalb im Wasserbad – in einem nicht brennbaren Behälter, am besten im Freien und mit Abstand zu allem Brennbaren – bis Sie es abgeben. Der Deutsche Feuerwehrverband empfiehlt genau das: Lagerung im Wasserbehälter oder Übergabe an einen Entsorger.
Entsorgt wird der Akku als beschädigte Altbatterie, niemals über den Hausmüll. Seit Oktober 2025 gilt das neue Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG): Händler, die solche Batterien verkaufen, und die kommunalen Wertstoffhöfe müssen Geräte-Altbatterien kostenlos zurücknehmen. Kündigen Sie einen beschädigten oder gelöschten Akku bei der Abgabe an – er wird gesondert gelagert.
Wie verhindern Sie, dass ein Handy-Akku brennt?
Die meisten Akkubrände lassen sich mit wenigen Gewohnheiten vermeiden:
- Original- oder geprüfte Ladegeräte und Kabel verwenden. Billige Netzteile ohne Schutzschaltung sind eine der häufigsten Brandursachen.
- Nicht auf Bett, Sofa oder unter dem Kissen laden. Laden Sie auf einer nicht brennbaren Unterlage und ohne brennbare Materialien in der Nähe – so empfehlen es DGUV und Feuerwehr.
- Möglichst nicht über Nacht oder unbeaufsichtigt laden, und im Raum sollte ein Rauchmelder hängen.
- Hitze und Kälte meiden: kein Handy auf dem Armaturenbrett in der Sonne, nicht direkt aus der Kälte ans Ladegerät.
- Beschädigte Geräte aussortieren: Nach einem Sturz mit verbogenem Gehäuse oder nach Kontakt mit Wasser den Akku prüfen lassen. Aufgeblähte Akkus nie weiterbenutzen oder laden.
- Akkus nicht selbst öffnen oder tauschen, wenn der Hersteller es nicht vorsieht.
Handy-Akkus im Betrieb: Was Arbeitgeber tun müssen
Diensthandys, Tablets, Scanner, Funkgeräte, Akkuschrauber: In jedem Betrieb werden täglich Lithium-Ionen-Akkus geladen. Die DGUV Information 205-041 macht daraus eine klare Aufgabe für den Arbeitgeber: Der Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus gehört in die Gefährdungsbeurteilung, die Beschäftigten werden anhand einer Betriebsanweisung unterwiesen, und die Ladeplätze werden brandschutzgerecht eingerichtet – nicht brennbare Unterlage, keine Brandlasten in der Nähe, Laden unter Aufsicht oder in einem Bereich mit Brandmelder. Werden regelmäßig größere Mengen Akkus gelagert oder geladen, gilt der Bereich nach ASR A2.2 als Arbeitsstätte mit erhöhter Brandgefährdung – mit Folgen für die Zahl der Feuerlöscher und der Brandschutzhelfer.
Und dann braucht es Menschen, die im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Genau das üben wir in der Brandschutzhelfer-Ausbildung: Wie erkenne ich einen Entstehungsbrand, wann lösche ich, wann ziehe ich mich zurück – und wie reagiere ich bei einem Akkubrand? Jeder Teilnehmer löscht bei uns selbst, am Brandsimulator mit Übungsfeuerlöschern. Alle Leistungen rund um den Brandschutz in Hannover finden Sie auf unserer Leistungsseite; wie die Ausbildung abläuft, lesen Sie im Beitrag zur Brandschutzhelferausbildung. Und wenn Sie E-Bikes im Betrieb oder zu Hause haben: Die wichtigsten Regeln stehen im Beitrag zur sicheren Lagerung von E-Bike-Akkus.
Häufige Fragen: Handy-Akku brennt
Kann ich ein brennendes Handy mit Wasser löschen?
Ja. Wasser ist bei Lithium-Ionen-Akkus das empfohlene Löschmittel, weil es den Akku kühlt und die Kettenreaktion stoppt. Verwenden Sie viel Wasser und halten Sie Abstand.
Was mache ich, wenn mein Handy beim Laden heiß wird?
Ladestecker aus der Steckdose ziehen, das Gerät mit Zange oder Handschuh auf einen nicht brennbaren Untergrund oder in einen Eimer Wasser legen, aus der Entfernung beobachten und nicht weiter benutzen.
Ist ein aufgeblähter Handy-Akku gefährlich?
Ja. Ein aufgeblähter Akku ist beschädigt und kann jederzeit durchgehen. Nicht mehr laden, nicht mehr benutzen, nicht in die Tasche stecken – sondern zum Händler oder zur Sammelstelle bringen.
Hilft eine Löschdecke bei einem Akkubrand?
Kaum. Ein Akkubrand lässt sich nicht ersticken, weil die Zelle ihren Sauerstoff selbst liefert. Eine Decke kann Funkenflug bremsen, löscht den Akku aber nicht. Kühlen mit Wasser ist wirksamer.
Welcher Feuerlöscher ist bei einem Handy-Akku geeignet?
Wasser- oder Schaumlöscher, weil sie kühlen. Pulver und CO₂ kühlen nicht ausreichend. Die DGUV rät Beschäftigten allerdings zur Zurückhaltung: Nur löschen, wenn es ohne Eigengefährdung möglich ist – sonst raus, Tür zu, 112.
Wohin mit dem Akku nach dem Brand?
In einen Behälter mit Wasser, im Freien und mit Abstand zu Brennbarem, bis Sie ihn beim Händler oder Wertstoffhof abgeben. Seit dem BattDG (Oktober 2025) ist die Rücknahme dort kostenlos. Beschädigte Akkus bei der Abgabe ankündigen.
Muss ich wegen eines brennenden Handys wirklich die Feuerwehr rufen?
Wenn der Brand nicht sofort aus ist, es stark raucht oder Sie unsicher sind: ja, 112. Auch ein bereits gelöschter Akku kann sich erneut entzünden – die Feuerwehr bewertet die Lage und den Rauch.
Fazit
Ein brennender Handy-Akku ist beherrschbar, wenn Sie die Regeln kennen: Abstand halten, nicht anfassen, mit viel Wasser kühlen, Gerät ins Wasserbad oder ins Freie, Rauch meiden, im Zweifel 112. Noch besser ist es, den Brand gar nicht erst entstehen zu lassen – mit dem richtigen Ladegerät, einem sicheren Ladeplatz und dem Blick für Warnzeichen. Im Betrieb ist das keine Frage des guten Willens, sondern Teil der Gefährdungsbeurteilung und der Brandschutzhelfer-Ausbildung.
Über den Autor
Sascha Hautau ist Brandschutzbeauftragter und Fachkraft für Arbeitssicherheit. Seit 2000 ist er in der Sicherheitsbranche tätig, seit 2007 selbstständig. Mit Alliance Security betreut er Unternehmen in Hannover und der Region in den Bereichen Brandschutz, Arbeitsschutz und Sicherheitsdienstleistungen. In seinen Brandschutzhelfer-Ausbildungen übt er mit den Teilnehmern das Löschen am Brandsimulator mit Übungsfeuerlöschern – und das richtige Verhalten bei Akkubränden.
Quellen: DGUV Information 205-041 „Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien“ (Ausgabe Februar 2024) · VdS 3103 „Lithium-Batterien“ (Ausgabe 2019-06) · Deutscher Feuerwehrverband/AGBF, Fachempfehlung „Risikoeinschätzung Lithium-Ionen Speichermedien“ (Mai 2018) · Berliner Feuerwehr, Sicherheitshinweise „Lithium-Ionen-Akkus“ (Stand August 2026) · Unfallkasse Hessen, „Lithium-Ionen-Akkus sicher lagern und verwenden“ (Stand September 2026) · Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG) vom 30.09.2025, §§ 6, 14, 15 · ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“
Stand: September 2026
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